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Ansprachen

An dieser Stelle haben Sie nun die Möglichkeit eine meiner Ansprachen zu lesen:

 
Mondnacht (Joseph von Eichendorff)

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


Ansprache zur Trauerfeier für N.N.

Auf den Spuren des Verstorbenen


Liebe Familienmitglieder, liebe Mittrauernde,
N.N. ist gestorben, wie er gelebt hat: Ohne langes Nachdenken, die Entscheidung fiel jetzt und sofort! Das ist das Eine. Und das Andere ist, das er jede Menge Spuren hinterlassen hat. Deutlich geworden ist mir das, als ich nach einem Bild suchte für diese Ansprache. Sie, Frau N., hatten mir erzählt, dass Sie zu der Stelle am Wasser gefahren sind, an der Ihr Bruder verstarb. Und erstaunlicherweise haben sie im Sand seine Spuren gefunden. Und ich denke, auch unser Gespräch am Sonntag hat sich ausschließlich um die Spuren gedreht, die Ihr Ehemann und Vater hinterlassen hat.
Mit den Spuren ist das eine interessante Sache: Zunächst einmal entdecke ich Sie und ordne Sie zu. Bei N.N. fiel das relativ leicht. Er war Landwirt mit Leib und Seele, mit einem stark ausgeprägten Sinn für das Betriebswirtschaftliche. Er hat den Hof durch geschicktes Wirtschaften auf eine enorme Größe gebracht, ich glaube, darauf war er sehr stolz. Er begann auch zu makeln, was sich als weitere überaus positive berufliche Betätigung herausstellte. Er war über 30 Jahre Bürgermeister und er hat eine Menge bewirkt, so haben Sie gesagt. Er war in meinen Augen ein echter Patriarch. Und von solch einem Menschen gibt es immer viel zu erzählen.
„Er hat sein Leben genauso geführt, wie er es sich vorstellte“ – ein Satz mit großer Tiefe, den Sie als sein Leben abrundende Bemerkung machten.
Und wenn Sie dann also die Spuren zugeordnet haben, dann liegt es bei Ihnen, wie Sie damit weiter umgehen. Und das ist natürlich von Mensch zu Mensch verschieden. Der eine entscheidet, genau in den Spuren zu laufen, die durch den Verstorbenen vorgegeben sind. Ein anderer denkt sich, im Großen und Ganzen den Spuren zu folgen ist sinnvoll, aber ab und zu lassen sich ein paar Abweichungen erkennen. Wieder ein anderer geht konsequent einen anderen Weg, der im Extremfall vielleicht sogar in die entgegensetzte Richtung führt. Ich glaube, alle diese Möglichkeiten sind Ihnen bekannt und Sie haben immer wieder darüber nachgedacht. Was ich spannend dabei finde, ist, dass, wie auch immer Sie sich verhalten haben oder verhalten werden, Sie sich an N.N. orientieren. Ob Sie beschlossen haben, niemals solch ein „Blitz“ zu sein wie er oder ob Sie davon träumen, genauso sein zu können, spielt die geringere Rolle. Ich habe sogar gemerkt, dass N.N. eine so gewaltige Ausstrahlung besitzt, dass er mich während meiner Mittagsstunde in meinen Träumen besucht hat. Und das kommt wirklich selten vor – und dabei kannte ich ihn gar nicht persönlich, sondern allein aus Ihren Erzählungen.
Auch für N.N.s Leben gibt es natürlich Personen, deren Spuren er verfolgt hat. Kurz nach der Hochzeit zwei Höfe bewirtschaften zu müssen, weil sein Vater verstorben war, hat sicherlich tiefe Spuren in seinem Wesen hinterlassen. Oder der Kontakt zum alten Herrn Lafrentz…Teile der Lebensphilosophie dieses Mannes hat er sich zu eigen gemacht: ein bescheidenes Auftreten, aber um seine Erfolge beneidet werden wollen.
Viel Arbeiten, Freude haben am Erfolg, aber sich selbst nichts gönnen, das war seine Devise. Wenn Sie, die Familie, einmal zu lange Pause machten, dann wurde er unruhig; wenn er Sie alle an die Arbeit gebracht hatte, dann ging es ihm gut. Die Dinge selbst in der Hand haben, sich nicht in die Karten schauen lassen – ja, das war auch N.N.. Urlaub kannte er nicht. Die Reisen, die er machte, dienten den Geschäften: So kam er nach Kanada und Jordanien.
Regelmäßig zum Stammtisch gehen, das gehörte in seinen Alltag ebenso wie das tägliche Schwimmen.
Jetzt sind wir hier. Schauen auf die Spuren N.N.s. Stellen uns vielleicht nach seinem Tod noch einmal neu dazu...Manches verschiebt sich leicht im Rückblick. Das ist gut, das ist heilsam. Manches ist nun unwiderruflich zu Ende, anderes wird in der Erinnerung bewahrt; sozusagen ein Gipsabdruck oder ein Bronzeabdruck der Spuren. Es wird Tage geben, da nehmen Sie sich Zeit, sich mit den Spuren zu beschäftigen, es werden andere kommen, da verwischen sich die Spuren – vielleicht weil ein Enkelkind damit gespielt hat.
Ohne langes Abschiednehmen – aber im Rückblick doch nicht ganz so überraschend – ist N.N. gegangen; vieles erscheint für Sie in einem neuen Licht: er hat die Brandstelle neulich noch besucht (und Sie fragen sich, hat ihm der Umstand des Brandes das Herz gebrochen?), er hat begonnen, nicht die Gewichte der Tiere zu notieren, er hat mehr Gefühle gezeigt, als je zuvor in seinem Leben – das sind einige der Dinge, die mir im Gedächtnis geblieben sind.
Wir haben überlegt, wo er hingegangen ist. Mit Joseph von Eichendorff möchte ich sagen „nach Hause“, eben in das ewige Zuhause. Hier haben wir Menschen ja nur einen Gaststatus – ich glaube, dieser Tatsache war sich N.N. aus den Erfahrungen seines Lebens nur zu bewusst und darum hat er keine Zeit verloren, sondern Entscheidungen schnell getroffen und nichts auf die lange Bank geschoben.
Sie werden sicherlich ein Wechselbad der Gefühle durchlaufen in den nächsten Wochen und Monaten, denn vieles wird nun anders. Möge Ihnen die Durchsetzungskraft geschenkt sein, die N.N. immer eigen war, die nun notwendig ist, um das Leben neu zu ordnen, nachdem der Verstorbene so deutliche Spuren hinterlassen hat.
 

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